Geschichte des Klosters St. Anton

von Micheal Wuttke

Im September 2013 endet mit der Auflösung des Redemptoristenklosters St. Anton eine mehr als 500 Jahre währende Ordensgeschichte in Forchheim. Jesuiten machten den Anfang, aber Franziskaner ließen sich im Dreißigjährigen Krieg dauerhaft nieder. Für sie kam das Ende nach der Säkularisation 1803.

Neues geistliches Leben, das Forchheim und das nahe Umland befruchtete, kehrte 1919 in den Gebäudekomplex mit der Klosterkirche als Mittelpunkt ein, als sich der Redemptoristenorden mit einer Missionsstation niederließ. Priesterlicher und klösterlicher Nachwuchsmangel nötigten die Münchner Ordensprovinz zu dem schweren Schritt, das Kloster aufzulösen und das Gelände zu verkaufen. Es soll 2014 einer Wohnbebauung zugeführt werden.

Das aber bedeutet nicht das Ende der Klosterkirche und der Redemptoristen in Forchheim. Dank einer jetzt eingerichteten Stiftung und Dank des ehrenamtlichen Einsatzes vieler treuer Freunde, gebündelt im neu gegründeten Klosterverein, wie auch der Unterstützung der Mutterpfarrei St. Martin bleiben Seelsorge und geistlich-kulturelles Leben erhalten.

 

Beginn in St. Gereon

1643 schenkte der damalige Festungskommandant Philipp von Pappenheim den Franziskanern, die schon viele Jahre vorher Aushilfe in der Seelsorge leisteten, den „Schottenhof“, einen Garten mit Haus außerhalb der Festungsmauern, um hier ein Kloster zu begründen.

Indes, so hat es Pater Gerold Freidag in seiner 1751 erschienenen Forchheimer Kloster-Chronik verfasst, wollten die Patres nicht so lange zuwarten. Sie suchten ein Domizil oder Hospiz zu erwerben, um schneller ein eigenes Kloster errichten zu können.

Außerdem hatten „Unterhandlungen“ mit dem Magistrat der Stadt ergeben, dass der Schottenhof zur Gründung eines Klosters nicht geeignet sei. Aber sie führten dazu, dass den inzwischen sieben Mönchen ein anderes passendes Haus samt Garten und einer Kapelle eingeräumt wurde. Es war die vom Forchheimer Bürger Georg Walrab gut 100 Jahre vorher gestiftete St. Gereonskapelle.

Vom Juli 1653 an begannen die Patres das klösterliche Leben und hielten regelmäßig Gottesdienste in St. Gereon. Das währte mehr als 30 Jahre.

Inzwischen gelangte der geschenkte Schottenhof durch Kauf in mehrere Hände.
Ein Graf von Dernbach, der in das Bistum seines verstorbenen Bruders Bischof Petrus Philippus Graf von Dernbach nach Würzburg übersiedeln wollte, stellte das Grundstück zum Verkauf. „Freunde und kluge Gönner unseres Ordens rieten nun unseren Patres, diese Gelegenheit nicht vorübergehen zu lassen, zumal, da der Platz bedeutend geräumiger und viel günstiger zur Gründung eines eigentlichen Klosters war“ schreibt Pater Gerold in seiner Kloster-Chronik. „Und dieser Plan gefällt so sehr“, fährt der Chronist fort, „dass unsere Väter auf dem Kapitel zu Augsburg dem Kaufe nicht nur zustimmten, sondern den ganzen Preis für das Anwesen, nämlich 1500 Gulden, an die Verkäufer auszahlten“.

Der Hof, der sich auf dem heutigen Klostergelände befand, sollte den Ordensleuten nach seinem Ableben zur Verfügung stehen. Sechs Jahre später, unmittelbar nach dem Dreißigjährigen Krieg, wurde durch Fürstbischof Melchior Otto Voit von Salzburg der Franziskanerorden nach Forchheim geholt.

Übersiedlung auf den Schottenhof

Am 8. Mai 1684 legte im Namen des Bamberger Fürstbischofs Marquard Sebastian von Stauffenberg der Michaelsberger Abt Romanus Knauer den Grundstein für den zu erbauenden Klosterkonvent. Die Grundsteinlegung für die Kirche, errichtet zu Ehren des hl. Antonius von Padua, erfolgte ein Jahr später, am 6. April 1685, durch Fürstbischof Marquard. Zeugnisse dieses Aktes finden sich über dem Portal der Klosterkirche und an der Wand rechts vom Sebastiani-Altar auf einer eingemauerten Steintafel.

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Portal zur Klosterkirche

Die Einweihung der Kirche fand am 9. Oktober 1693 statt. Fünf Monate danach starb der große Förderer Fürstbischof Marquard Sebastian. Auf dem Sterbebett verfügte er, dass sein Herz in der Klosterkirche bestattet werden sollte; es ruht im Boden vor dem Sebastiani-Altar, sein Leichnam wurde im Dom zu Bamberg beigesetzt.

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Fürstbischof Marquard Sebastian von Stauffenberg fühlte sich dem Franziskanerkloster so tief verbunden, dass er sein Herz vor den Stufen zum Sebastiani-Altar bestatten ließ.

Die Franziskaner arbeiteten eifrig daran, dass ihre Niederlassung zu einem Konvent erhoben würde.
Dies geschah 1687 auf dem Kapitel zu Augsburg. Zum ersten Guardian wurde Pater Caesarius Wich ernannt. Zum Kloster gehörten anfangs acht Patres und ebenso viele Brüder. Streng nach ihren Regeln führten sie ein asketisches Leben in Armut und waren für die Bevölkerung ein Vorbild an Selbstlosigkeit und Nächstenliebe. Täglich wurden über zwanzig Arme gespeist. Die Tradition, Bedürftigen an der Pforte eine Mahlzeit zu gewähren, blieb bis in die heutige Zeit erhalten.
 
Im Laufe der Zeit traten 35 Bürgersöhne als Priester und zehn als Laienbrüder in den Konvent ein. 1722 erfolgte eine Erweiterung des Klosterbaus nach Westen. Auch eine Brauerei entstand in der Südwestecke des Hofes (Klosterstraße 12). In seiner Blütezeit zählte das Kloster über zwanzig Mitglieder. Die Franziskaner übernahmen im 18. Jahrhundert auch viele Seelsorge-Aushilfen in den umliegenden Orten.

Am 17. März 1783 brach früh um 2 Uhr in der Kirche aus unbekannter Ursache ein Brand aus. Chor und Orgel wurden eingeäschert, Altäre und Wände beschädigt, Statuen rauchgeschwärzt. Ein Teil der Einrichtung musste daraufhin neu angefertigt werden.

Der große Einschnitt 1803

Die Säkularisation 1803 verurteilte den Konvent zum Aussterben, da keine neuen Mönche mehr aufgenommen werden durften. Die ansässigen durften bleiben und 1806 bekamen sie sogar Zuwachs aus dem aufgehobenen Kloster in Bamberg. Im April 1809 musste das Kloster plötzlich geräumt werden, weil im Zuge der napoleonischen Kriege ein französisches Truppenkontingent Platz benötigte. Die 15 Priester und fünf Brüder zerstreuten sich auf die umliegenden Dörfer, vier verblieben bei Familien in Forchheim.

In der Klosterkirche, die als Magazin diente, wurde die Gruft der Franziskaner aufgebrochen und durchwühlt. Im gleichen Jahr zogen die Franzosen weiter und an ihrer Stelle wurden gefangene Tiroler einquartiert. 1811, nachdem erneut Franzosen in Forchheim Station machten, durften die Franziskaner wieder zurückkehren. Aber die Zahl der Ordensbrüder nahm stetig ab.  1828 lebten hier noch zwei altehrwürdige Greise.

Nun setzte ein langes Ringen des Gemeindekollegiums und des Stadt-Magistrates um den Verbleib des Klosters ein. Argumentiert wurde mit der Entlastung der Mutterkirche St. Martin, der Einrichtung einer lateinischen Vorbereitungsschule und der eines Krankenhauses. Durch die endgültige Verfügung König Ludwigs I. mit Aufhebungsdekret vom 3. Mai 1830 wurden die Vorschläge der Stadt abgelehnt und die Räumung des Klosters befohlen. Dennoch ruhte die Angelegenheit. Plötzlich erklärte die Militärverwaltung die Räume als ungeeignet für ihre Zwecke. 1833 begannen sogar Renovierungsarbeiten an der Kirche, im Brauhaus und an anderen Gebäudeteilen.

 

Die „protestantische Gefahr“

Als am 22. Juli 1835 der letzte Guardian stirbt, droht „neue Gefahr“: die Protestanten in Forchheim wünschten sich die Franziskanerkirche als Pfarrkirche. „Die Lage ist gefährlich. Der Konkurrent musste ausgeschaltet werden“ sagte Heimatforscher Konrad Kupfer in einem Vortrag. An den König gehen neue Eingaben. Doch der lehnt die Wiederbesetzung des Klosters ab. Aber er gestattet der Stadtgemeinde bei Übernahme der Unterhaltskosten die Nutzung von Kirche und Kloster. Die Stadt darf auch die Krankenanstalt und einen Teil der Wohltätigkeitsstiftungen dorthin verlegen, muss die Räume aber vom Staat mieten.

Die Stadt kämpft weiter um die Wiederbesetzung des Klosters und wird 1848 belohnt: Die königliche Regierung von Oberfranken fordert das Landgericht in Forchheim auf, das Klostergebäude und 1,25  Tagwerk zu verkaufen. Bürgermeister Schönfelder kann die Immobilie für 2000 Gulden erwerben. Die Stadt nimmt zwei Kompagnien Infanterie aus der Garnison Bamberg auf, die bis 1876 verbleiben. Unentgeltlich, aber mit der Pflicht der baulichen Unterhaltung durch das Militär. Seit 1848 wird die Kirche, deren prächtige Ausstattung aus dem 17. und 18. Jahrhundert  im Stil des Rokoko sich bis heute erhalten hat, als Filialkirche der Pfarrei St. Martin genutzt. Für den Unterhalt werden Staatsmittel aber nicht gewährt, die Anschaffung einer neuen Orgel 1916 jedoch mit 3000 Mark bezuschusst.

1876 beginnt eine neue Epoche: die katholische und protestantische Volksschule ziehen ein, 1899 folgt das Progymnasium nach. 1917 und 1918 wird ein Ersatz-Infanterie-Bataillon einquartiert, gleich nach dem 1. Weltkrieg folgen Kaufverhandlungen der Redemptoristen-Provinz mit dem Ziel, ein Kloster einzurichten. Am 1. April 1919 werden die Verhandlungen mit der Stadt mit dem Kaufvertrag besiegelt. Der damalige Bürgermeister Reinhard, so berichtet die Klosterchronik, hatte alle Hebel in Bewegung gesetzt, um die Redemptoristen nach Forchheim zu holen.
Die Umsetzung geriet allerdings ins Wanken, als in den Unruhen der Nachkriegszeit – Stichwort Räterepublik – das „Kartell der freien Gewerkschaften“ gegen den Verkauf des Schulgebäudes opponierte. Der Widerstand war so stark, dass Bürgermeister Reinhard den Pater Provinzial darum bat, „zur Zeit keinen Pater nach Forchheim zu senden“.

Ein Beginn in Armut

Dennoch: Am 1. April 1919 kommen vier Männer, Laienbrüder, in weltlicher Kleidung oder im grauen Soldatenrock in Forchheim an, um von der neuen Gründung Besitz zu ergreifen. Am 15. April folgt der erste Hausobere, Pater Alois Meier.

Repro: Mike Wuttke (Großansicht bitte klicken)

„Zwei kamen in weltlichem Gewand, zwei trugen noch den feldgrauen Rock“. So beschrieb der Chronist die Ankunft der vier Männer, die am 1. April 1919 von der Neugründung ihres Ordens in Forchheim Besitz ergriffen. In der Bildmitte der Hausobere Pater Alois Meier.

Der Start ist nicht einfach. Immer noch wollen „die Linken“ aus dem Kloster eine Volkshochschule machen. Die Klostergemeinde war sehr arm, doch die Forchheimer, die „viele Tausend Mark“ spendeten, stehen den Ordensleuten hilfreich zur Seite. Am Silvesterabend 1919 zählt die Klostergemeinde sechs Patres und fünf Fratres.

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Kloster 1920

In der folgenden Zeit spricht die Klosterchronik von „Missionsaufträgen in großer Zahl“, Kirchenrestaurierungen und Umbauten.

Schon bald, nachdem Hitler die Macht in Deutschland übernommen hatte, werden Patres ins Rathaus und vor die NSDAP-Kreisleitung geladen, um Rechenschaft über ihre Predigten abzulegen. In der Zeit des Nationalsozialismus werden zuerst Klostersaal und Schule beschlagnahmt (1940), dann erfolgt der Befehl zur kompletten Räumung, um Bessarabiendeutsche unterzubringen. Am 17. Oktober 1940 müssen die Patres und Brüder endgültig ausziehen.

Forchheimer Bürger nehmen sie auf. Umsiedler aus Kärnten und der Steiermark ziehen in die Klosterräume ein.

Nach Kriegsende kann der Pater Rektor die amerikanischen Stadtkommandanten zur Rücknahme der beschlagnahmten Räume bewegen, Mitte September 1945 kehren die Patres wieder in das Kloster zurück. 1947 wird dem Haus ein Seminar zur Ausbildung des Nachwuchses angegliedert, bauliche Maßnahmen für das Internat folgen in den 50er und 60er Jahren. Ab 1974 findet in dem Gebäude das Noviziat seinen Platz.


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